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Frankfurter Allgemeine Zeitung

18. Juli 1989

Klangschön und temperamentvoll

„Üblicherweise treten im Amerika-Haus amerikanische Künstler auf. Ulrich Murtfeld (Jahrgang 1970) allerdings ist Deutscher, doch hatte sein Klavierabend im Saal des Amerika-Hauses gleichsam einen amerikanischen Hintergrund: In den Jahren 1986/87 war der Edelstein-Schüler Stipendiat der Phillips Academy in Andover (Massachusetts) und genoß eine Klavierausbildung am New England Conservatory in Boston. Als Pianist wurde er mit dem ‚Milton Collier Prize’ ausgezeichnet; als Geiger im Orchester der Phillips Academy bereiste er unter anderem Orte an der Westküste der Vereinigten Staaten und New York. 1987 erhielt er seine ‚graduation’ an der Phillips Academy, in diesem Jahr bestand er das deutsche Abitur.

In dem einleitenden Präludium und Fuge-Paar in g-Moll (BWV 861) von Johann Sebastian Bach apostrophierte Murtfeld die lyrischen Züge; gleichwohl erschienen in der Fuge die Stimmen klar profiliert. Ausgesprochen klangschönes Spiel zeigte er auch in Beethovens ‚Waldstein-Sonate’, deren Facettenreichtum er eindrucksvoll herausstellte, ohne aber die Wiedergabe zerfasern zu lassen: wohltuende Stringenz allenthalben. Temperament, Erregung und Vehemenz sprachen aus Liszts Fantasie und Fuge über das Thema B-A-C-H; in der abschließenden Prokofjew-Toccata op. 11 realisierte der Pianist überzeugend die ekstatische Motorik der Komposition.“