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Schwäbische Zeitung

24.09.2018

Aufwühlende und betörende Klänge - Ulrich Roman Murtfeld begeistert mit seinem Konzert im Münzhof

Trotz kammermusikalischer Highlights in Friedrichshafen und Tettnang hat sich der Münzhof am Samstag bei Ulrich Roman Murtfelds Klavierabend sehr gut gefüllt. Das Publikum schätzt diesen Pianisten und hat die angebotenen "Harmonies du soir" genossen.

Atemlose Stille herrscht, als Murtfeld die Bühne betritt und rasch zu spielen beginnt. Schon die ersten Takte verraten seine intensive Auseinandersetzung mit Beethovens Sonate Nr. 8 c-moll, der "Pathétique", jenem Werk, das ergreifend Beethoens Leiden und Aufbegehren gegen die Taubheit ausdrückt. Murtfeld macht die schicksalhafte Ergebung wie die schwebende Schönheit hörbar. Das Publikum ist voll dabei, erlebt die Interpretation durch einen reifen Pianisten. Hier geht es nicht um perfekt Technik - die ist selbstverständlich -, hier geht es um die Stimmung, die Gefühle, die die Noten transportieren und doch anderswo nicht immer so greifbar werden. Murtfeld dient dem Werk, gestaltet ganz bewusst bis ind die Wechsel der Tempi oder die Pausen zwischen den Tönen. Begeisternd ist hier wie auch später bei Claude Debussy sein weicher Anschlag. Der Pianist blickt auf die Tasten, könnte die Augen geschlossen halten, so eins ist er mit dem Werk und seiner die Zuhörer überzeugenden Interpretation. Beim betörend gesanglichen Adagio wünschte man sich, den besonders warmen, neuen Steinway-Flügel im Schloss zu hören. Doch Murtfeld holt so viel aus dem älteren Flügel im Münzhof heraus, bringt ihn zum Klingen, dass es eine Freude ist. Das Einzige, was etwas stört, ist der unruhige Bühnenvorhang, zwar ein Domes, aber ablenkend.

Kunstvolle Figuren lässt der Pianist in Schumanns anmutiger Arabeske op. 18 entstehen, flink eilen die Finger über die Tasten, verharren für einen Moment, dann perlen wieder verführerisch die Töne. Die Nähe zur Romantik ist bei den ausgewählten Préludes noch spürbar, mehr noch, dass wir hier im Impressionismus sind. Leidenschaftlich erklingen die "Puerta del vino", mit stiller Empfindung die "'Bruyères", geheimnisvoll das Mondlicht über der "Terrasse des audiences" und als vielfarbig sprühendes Feuerwerk die "Feux d'artifice".

Aufwühlend und wieder zur Ruhe zurückkehrend sind zuletzt die Werke von Franz Liszt. In Gedankenfetzen evozieren die "Harmonies du soir" aus den "Études d'exécution transcendante" die dankbaren Gefühle am Abend. Gefühle, die zur großen Brandung werden und im verklärenden Ausgang wieder leise verebben. Dramatisch verstörend folgt zuletzt Liszts Fantasie "Après une lecture de Dante", der visionäre Höllentanz gequälter Kreaturen wie die poetische Ahnung von Liebe in der Episode der Francesca da Rimini aus der Divina Commedia. Träumerisch erklingt nach herzlichem Applaus und Bravorufen die kostbare Romanze in F-Dur von Brahms als Geschenk des Pianisten an sein Publikum.

Helmut Voith